Rede vom 18.02.2009
Landtag
FDP-Antrag "Chancengleichheit herstellen - Bildungsbenachteiligung von Jungen und jungen Männern bekämpfen!"
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
Jugendarbeitslosigkeit betrifft junge Männer in stärkerem Maße als junge Frauen. Im Dezember 2008 waren ausweislich der Statistik der Bundesagentur für Arbeit in der Stadtgemeinde Bremen 1269 Männer aber lediglich 954 Frauen im Alter von unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. In der Stadtgemeinde Bremerhaven waren es 474 Männer und 352 Frauen.
Der Anteil der Jungen, die die Schule ohne einen Hauptschulabschluss verlassen, ist beinahe doppelt so hoch, wie bei den Mädchen. Dafür macht etwa ein Drittel der Mädchen eines jedes Jahrgangs Abitur. Bei den Jungen sind es nur 25 Prozent.
Seitens der Schulen und Ausbildungsbetriebe werden als Ursachen für die überdurchschnittliche Betroffenheit junger Männer von Arbeitslosigkeit u.a. mangelnde soziale Kompetenzen und ein zu enges Rollenverständnis,
z.B. im Hinblick auf die Berufswahl, angesehen.
Dass die Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem weiterhin so deutlich zu Tage tritt, ist nach unserem Eindruck auch eine Folge von Defiziten in der Gestaltung des Bildungssystems selbst sowie der Gestaltung des Schulunterrichts sowie auch der Maßnahmen der Ausbildungs- bzw. Beschäftigungsförderung.
Geschlechtsspezifische Aktivitäten zur Förderung von Jungen bzw. jungen Männern sind bisher lediglich in unzureichendem Umfang vorhanden.
So sind in dem im Juli 2008 von der Arbeitsdeputation verabschiedeten Landesprogramm „Ausbildung und Jugend mit Zukunft“ im Beschäftigungspolitischen Aktionsprogramm in jedem Einzelziel explizit die Förderung junger Frauen vorgesehen. Die Förderung junger Männer findet sich nicht wieder, was angesichts der überdurchschnittlichen Betroffenheit junger Männer von der Jugendarbeitslosigkeit überrascht.
Wir halten es für erforderlich, dass der Senat, ein Konzept zur Bekämpfung der Bildungsbenachteiligung von Jungen erarbeitet und der Bürgerschaft vorlegt.
Dieses Konzept soll nach unserer Auffassung u.a. folgende Zielsetzungen bzw. Anforderungen berücksichtigen:
1. Stärkung der Jungenarbeit und jungenspezifischer Förderangebote, damit die sozialen Kompetenzen, die Konflikt- und Teamfähigkeit von Jungen bzw. jungen Männern gestärkt werden
2. Einwicklung und systematische Bewerbung eines Boys’ Day parallel zum Girls’ Day, damit Perspektiven auch in den Sozial-, Pflege-, Erziehungsberufen aufgezeigt werden.
3. Überprüfung der Arbeitsmarktprogramme und der Inhalte der Lehrerausbildung.
Auf die Ankündigung unserer Initiative zu diesem Thema im Januar haben wir sehr viele und durchweg positive Rückmeldung erhalten.
Wir hoffen daher darauf, dass sich auch die übrigen Fraktionen in diesem Haus, die Bedeutung dieses wichtigen Themas erkennen. In diesem Sinne hoffen wir auf konstruktive Beratungen hier im Plenum und in der Deputation.
Herzlichen Dank!
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